Mein Bekannter

 

Ich hab da so einen Bekannten. Eigentlich will ich nichts mit ihm zu tun haben. Doch hin und wieder begegnen wir uns. Er kommt unverhofft, versteckt und schleicht sich an. Er ist oft der Grund, warum ich nicht mehr richtig atmen kann. Er legt dann manchmal seine Finger um mich. Um meinen Hals und um meine Kehle. Seine fleischigen Finger drücken sich bis in meine Eingeweide. Sein lautes Lachen übertönt manchmal meinen Vogel im Kopf.

 

Er ertappt mich, wenn ich mal wieder zu viel am Träumen bin. Und manchmal ja manchmal träume ich von ihm...! Er sitzt dann da und verzieht keine Miene. Schmiedet mir meine Pläne und verrät mir nichts davon. Er zieht mich weg von meinen Utopien und drückt mich auf den Boden der Tatsachen. Er macht mich mundtot, breitet seine Seele aus und entblößt meine Kindheitsträume, meine Angst dass ich irgendwas versäume.

 

Doch manchmal, ja manchmal ist er auch ganz ok. Er trägt mich und pflegt mich, er holt mich runter wenn ich dort oben bin. Er macht mich munter wenn ich hier und hier und hier bin. Wenn mein Kopf zerstreut ist, bringt er alles auf einen Punkt. Er fokussiert mich und macht mich dankbar. Und er begleitet mich. Manchmal überholt er mich oder spielt mit mir. Und wir sind wie ständige Kinder im Sandkasten spielend. Manchmal spielen wir verstecken und er muss mich wecken doch immer wieder kommt er mich entdecken und rüttelt mich wach.

Mein Bekannter hat auch einen Namen. Er heißt Ernst, ja Ernst des Lebens.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0