Nomandenherzen

 

 

Ich, ich bin ein Reisender, Ausreisender, Einreisender, nirgends Verweilender und Bleibender. Ich lass mich tragen von einem Ort zum Nächsten. Planlos gehe ich mit meinem Plan los und meine Füße tragen mich, sind schlaflos und rastlos. Wissen nicht wohin oder wer ich bin. Kehren manchmal ein, drehen um oder laufen los. Schleichen oft ganz leise, nehmen mich mit auf eine Reise. Ins Wunderland, wo alles anders ist, wo ich die Luft anhalte und Gedanken, Gedanken sein lasse. Wo Sorgen sorglos sind und ich angekommen bin.

 

Und dann wach ich auf und spür mein Herz. Mein Herz ist ein Nomade. An nichts gebunden hat noch niemanden gefunden. Sucht die Weite und beharrt auf Geborgenheit. Wünscht sich Nähe und hat Fernweh zu gleich. Zerspringt zu schnell und ist viel zu ängstlich. Verliert sich oft und bleibt nie stehen. Kennt meine Gedanken und sucht ein Ziel.  Mein Herz ist Musiker und spielt seinen eigenen Rhythmus, schlägt mir manchmal bis zum Hals und rutsch mir viel zu oft in meine Hose. Geht mir häufig voraus und trifft viel zu oft Entscheidungen alleine. Mein Herz betrügt mich oft, macht das was ich nicht will und ergibt dennoch immer Sinn. Mein Herz Ist nicht perfekt sondern ganz schön wund. Vernarbt und gelocht doch es sitzt in mir und es pocht. Und mit jedem Schlag, schlag ich mit und mit jedem Schritt tritt es mit.

 

 

Ich, ich bin ein Reisender, Ausreisender, Einreisender, nirgends Verweilender und Bleibender. Mein Körper steht hier doch meine Gedanken schweben über mir.  Mein Verstand ist dort doch meine Seele an einem anderen Ort. 

 

Manche sagen ich bin eine Persönlichkeit, ja bin ich. Jeden Tag eine andere. Und jede neue Entscheidung fühlt sich so endgültig an und so richtig und jedes kleine Problem fühlt sich dennoch so wichtig an. Und es ist ok nicht immer nur die eine zu sein sondern manchmal auch eine andere.  Eine Maske zu tragen und auch mal zu versagen. Einzureisen und wieder auszureisen. Neue Wege zu beschreiten und warten auf andere Zeiten.

 

Denn das Leben besteht nicht immer nur aus dem Motto „Augen zu und durch“ sondern manchmal auch aus „Augen auf und stehen bleiben“. Einfach bleiben und atmen. Es geht darum alles aufzusaugen mit jeder Faser meiner Haut und Fingerspitzengefühl. Und wir sind Menschenkinder, gefangen im Hier und Jetzt und manchmal ins Traumland versetzt. Mit großen Zielen und kleinen Plänen. Wollen wir in riesige Fußstapfen treten während wir eigentlich Babyschritte machen. Und uns fehlt oft der Mut und der letzte Schritt noch einmal alles zu geben.

 

Gebunden an die Vernunft und an den inneren Schweinehund, an all die skeptischen Blicke und dieses schlechte Gefühl. Das sich immer dann, auf Zehenspitzen von hinten anschleicht, wenn etwas bevorsteht. Und sich so tief in unsere Magengrube gräbt, wie ein Dämon. Dieses kurze Zögern bevor man weiter geht.

 

Lasst uns doch mal tun anstatt zu denken und handeln anstatt die Zeit zu verschenken. Was wir brauchen sind mehr Kinder und weniger Menschen. Mehr Herz anstatt Verstand, mit Bauchkribbeln und Nasenflügelbeben auf der Kippe stehen und mal nicht nur nach unten zu sehen. Vorsichtig und einsichtig, alles beschnuppern mit jedem Sinne. Bemerken wer ich eigentlich bin.

 

Denn ich bin kein Reisender, ich  reise nicht aus oder ein. Nein, ich bin angekommen. In keinem Land der Welt bei keinem Menschen der mir gefällt. Ich bin angekommen, bei mir, hier.